„Nichts geht mehr“. Das Roulettspiel für Martín Lousteau an der Spitze des argentinischen Wirtschaftsministeriusm ist vorbei. Der junge Volkswirtschaftler (39) präsentierte Staatspräsidentin Cristina Fernández de Kirchner am Donnerstag seinen Rücktritt. Sein designierter Nachfolger ist der auf Öffentliche Finanzen spezialiserte Ökonom Carlos Rafael Fernández (54).
Der Schritt lag in der Luft.
Seit einigen Wochen schon hatte der seit Ende letzten Jahres im Amt stehende Martín Lousteau mit einem Ausstieg geliebäugelt. Den letzten klaren Hinweis gab er vor wenigen Tagen, als er während eines öffentlichen Auftrittes den bisherigen Kurs der Regierung in Sachen Wirtschaft mit folgenden Worten in Frage stellte: „Argentinien braucht ein nachhaltiges Wachstum aber auch eine klare Kontrolle der Inflation. Das Wachstum müsste nicht über sechs Prozent liegen“.
Die Regierung der er bis gestern angehörte folgte dagegen bisher der Devise ein überdurchschnittliches Wachstum zu garantieren. Grundlage: ein möglichst hoher Konsum. Der Preis: eine Inflationsrate die derzeit bei monatlichen rund vier Prozent liegt. Für das Jahr rechnen unabhängige Experten mit einem Plus auf über 20 Prozent.
Der heute zurückgetreten Minister war zudem das Gesicht der umstrittenen Erhöhung der Quellenabgaben auf Landwirtschaftsexporte wie Soja und Weizen auf bis zu 44 Prozent. Die Massnahme hatte vor zwei Wochen den gesamten Landwirtschaftssektor in einen landesweiten Streikl treten lassen.
Das neue Gesicht
Der Nachfolger von Losteau gilt als fähiger Kopf, der bisher mehrmals auf „heissen Stühlen“ für die Regierung im Einsatz war. Nach einer Karriere im Umfeld de Produktionssekretariats, trat der neue Chef im Wirtschaftsministerium, im März 2007 das Amt des Wirtschaftsministers der Provinz von Buenos Aires an. Rechtzeitig konnte er dort eine latente Krise im Umfeld streikender Lehrer entschärfen. Diese drohten die Wahlen im Oktober zu überschatten, die schliesslich die heutige Staatspräsidentin Cristina Kirchner ins Amt hoben. Im April benannte ihn Präsidentin Cristina Kirchner zum Leiter der argentinischen Steuerbehörde (AFIP).
Carlos Fernández ist Vater von drei Kindern und aufgrund seiner Nähe zum ex-Präsidenten Néstor Kirchner gilt als ein linientreuer Verfechter des Wirtschaftsmodells der Regierung. Seine erste Herausfordeurng wird die Entspannung des Konfliktes mit der Landwirtschaft sein. Für den 2. Mai haben Produzenten und Produkteure bereits angedroht, erneut in den Streik zu gehen.